Probeklausur 1 - Künstliche Intelligenz (EKI)
Dauer: 90 Minuten · Hilfsmittel: ein beidseitig handbeschriebenes DIN-A4-Blatt, keine elektronischen Geräte (Taschenrechner, Smartphone, ...) · Gesamt: 90 Punkte
Bearbeiten Sie jede Aufgabe zunächst selbst und vollständig. Klappen Sie die Lösung unter jeder Aufgabe ("Lösung Aufgabe N") erst auf, wenn Sie fertig sind - so trainieren Sie echte Klausurbedingungen.
Alle für die Rechenaufgaben benötigten Logarithmuswerte sind bei der jeweiligen Aufgabe angegeben (es ist kein Taschenrechner erlaubt).
Überblick
| Aufgabe | Thema | Punkte | Empf. Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | Einführung und KI-Landkarte | 12 | 10 min |
| 2 | Klassifikation: Entropie, Information Gain, Entscheidungsbaum | 18 | 20 min |
| 3 | Validierung: Konfusionsmatrix und Gütemaße | 16 | 18 min |
| 4 | Wissensrepräsentation: RDF und SPARQL | 16 | 15 min |
| 5 | NLP: Bag-of-Words und tf-idf | 14 | 14 min |
| 6 | Ethische Aspekte der KI | 6 | 6 min |
| 7 | Gemischt: CEP, Computer Vision, Unsupervised Learning | 8 | 7 min |
| Summe | 90 | 90 min |
Aufgabe 1 - Einführung und KI-Landkarte (12 P)
Bezug: EKI00
1.1 Multiple-Choice (4 P)
Kreuzen Sie bei jeder der beiden Fragen genau eine Antwort an (je 2 P).
(A) Welche Aussage beschreibt "Künstliche Intelligenz" gemäß Vorlesung am besten?
- a) Jede Software, die viele Daten speichert und durchsucht.
- b) Maschinen oder Software-Anwendungen, die das Verhalten menschlicher Intelligenz zeigen.
- c) Ausschließlich neuronale Netze mit vielen Schichten.
- d) Ein Computer, der den Turing-Test in jedem Fall besteht.
(B) Welche Technik ist auf der KI-Landkarte nicht dem "Applying intelligence" zugeordnet?
- a) Computer Vision (Perceiving)
- b) Natural Language Processing (Communicating)
- c) Complex Event Processing (Reasoning)
- d) Knowledge Representation (Knowing)
1.2 Kurzantwort - Gartner Hype-Zyklus (3 P)
Nennen Sie die fünf Phasen des Gartner Hype-Zyklus in der richtigen Reihenfolge (2 P) und geben Sie an, welche Phase dem "KI-Winter" entspricht (1 P).
1.3 Wahr oder Falsch (3 P)
Kreuzen Sie an (je 1 P).
| Nr. | Aussage | Wahr | Falsch |
|---|---|---|---|
| a | Der Turing-Test wurde beim Dartmouth-Workshop 1956 definiert. | ☐ | ☐ |
| b | Beim Dartmouth-Workshop 1956 wurde der Begriff "Artificial Intelligence" geprägt. | ☐ | ☐ |
| c | Der KI-Winter war eine Phase massiver Förderkürzungen und eines Marktkollapses. | ☐ | ☐ |
1.4 Kurzantwort - Paradigmen (2 P)
Die KI-Landkarte ordnet alle Verfahren um zwei zentrale, sich überlappende Paradigmen an. Nennen Sie beide.
Lösung Aufgabe 1
1.1 (4 P)
- (A) Richtig ist b) "Maschinen oder Software-Anwendungen, die das Verhalten menschlicher Intelligenz zeigen." (2 P) - das ist die wortgetreue Kerndefinition der Folien.
- (B) Richtig ist d) Knowledge Representation. (2 P) Die Bereiche Knowing und Learning liegen auf der Achse Acquiring intelligence (Intelligenz erwerben); Perceiving, Communicating, Reasoning und Acting gehören zu Applying intelligence.
1.2 (3 P) Reihenfolge (2 P, je halber Punkt bis 2 P):
- Technology Trigger
- Peak of Inflated Expectations
- Trough of Disillusionment
- Slope of Enlightenment
- Plateau of Productivity
Der KI-Winter entspricht der Phase Trough of Disillusionment (Tal der Ernüchterung). (1 P)
1.3 (3 P)
- a) Falsch - der Turing-Test geht auf Alan Turing zurück, nicht auf den Dartmouth-Workshop.
- b) Wahr - Dartmouth 1956 prägte den Begriff "Artificial Intelligence".
- c) Wahr - enttäuschte Erwartungen, Förderkürzungen, Kollaps des KI-Markts.
1.4 (2 P) Die zwei Paradigmen sind (je 1 P):
- Non-symbolic AI / Machine Learning (nicht-symbolische, datengetriebene KI)
- Symbolic AI / Knowledge-based AI (symbolische, wissensbasierte KI)
Tipp: Merken Sie sich die Achse ("Acquiring" unten = Wissen/Lernen erwerben, "Applying" oben = anwenden) zusammen mit den sechs Bereichen Perceiving, Communicating, Reasoning, Acting, Learning, Knowing - daraus lassen sich fast alle Landkarten-Fragen ableiten.
Aufgabe 2 - Klassifikation: Entropie, Information Gain, Entscheidungsbaum (18 P)
Bezug: EKI02
Gegeben ist ein kleiner Trainingsdatensatz mit 8 Passagieren. Vorhergesagt werden soll das Label Überlebt (Ü = überlebt, G = gestorben).
| ID | Sex | Alter | Überlebt |
|---|---|---|---|
| 1 | weiblich | 5 | Ü |
| 2 | weiblich | 8 | Ü |
| 3 | weiblich | 30 | Ü |
| 4 | männlich | 4 | Ü |
| 5 | männlich | 9 | Ü |
| 6 | männlich | 25 | Ü |
| 7 | männlich | 40 | G |
| 8 | männlich | 50 | G |
Verwenden Sie die Entropie und den Entropieverlust (Information Gain)
Gegebene Logarithmuswerte: , , , , .
2.1 Kurzantwort (2 P) Wie ist ein Entscheidungsbaum aufgebaut? Erklären Sie, was in den Blättern, in den inneren Knoten und an den Kanten steht.
2.2 Rechnung (4 P) Berechnen Sie die Ausgangsentropie des gesamten Datensatzes (8 Datensätze). Geben Sie den Rechenweg an.
2.3 Rechnung (5 P) Betrachten Sie den Split "Sex = weiblich?". Teilen Sie in (weiblich) und (männlich) auf, berechnen Sie deren Entropien und den Entropieverlust dieses Splits.
2.4 Rechnung und Entscheidung (5 P) Betrachten Sie nun den Split "Alter < 10?". Berechnen Sie den Entropieverlust dieses Splits. Welcher der beiden Splits (2.3 oder 2.4) wird beim Aufbau des Entscheidungsbaums als erster gewählt? Begründen Sie.
2.5 Wahr oder Falsch (2 P) Kreuzen Sie an (je 1 P).
| Nr. | Aussage | Wahr | Falsch |
|---|---|---|---|
| a | Die Entropie ist maximal, wenn die Klassen 50/50 verteilt sind. | ☐ | ☐ |
| b | Eine Teilmenge, in der alle Elemente dieselbe Klasse haben, hat die Entropie 1. | ☐ | ☐ |
Lösung Aufgabe 2
2.1 (2 P) Ein Entscheidungsbaum hat die Klassen als Blätter (hier: Ü bzw. G). Die inneren Knoten enthalten die Entscheidungen/Tests auf ein Feature (z. B. "Sex = männlich?"), und an den Kanten stehen die Werte/Antworten dieser Entscheidung (z. B. Ja, Nein). (je 1 P für Blätter + innere Knoten, Kanten zusammen)
2.2 (4 P) Der Datensatz enthält 6x Ü und 2x G, also und .
2.3 (5 P) Split "Sex = weiblich?":
- (weiblich): IDs 1, 2, 3 -> 3 Datensätze, alle Ü. Reine Menge, also . (1 P)
- (männlich): IDs 4-8 -> 5 Datensätze, davon 3 Ü und 2 G, also bzw. . (1 P)
Entropieverlust (2 P für die gewichtete Formel, 1 P für das Ergebnis):
2.4 (5 P) Split "Alter < 10?":
- (Alter < 10): IDs 1, 2, 4, 5 -> 4 Datensätze, alle Ü. Also . (1 P)
- (Alter >= 10): IDs 3, 6, 7, 8 -> 4 Datensätze, davon 2 Ü und 2 G (50/50). Also . (1 P)
Entscheidung (2 P): Da , liefert der Split "Alter < 10?" den größeren Entropieverlust und wird zuerst gewählt. Man wählt an jedem Knoten das Feature/Wert-Paar mit dem größten Entropieverlust. (1 P)
Der Baum nach dem ersten Split:
flowchart TD
T["T: H(T) = 0.811"] --> Q["Alter < 10 ?"]
Q -->|"Ja"| L["Blatt: Ueberlebt (H = 0)"]
Q -->|"Nein"| R["T_upper: H = 1.0 (weiter aufteilen)"]
2.5 (2 P) a) Wahr - maximale Entropie bei ausgeglichener 50/50-Verteilung. b) Falsch - eine reine Menge hat Entropie 0, nicht 1.
Falle: Der Split "Sex" wirkt intuitiv stark, weil er eine reine Teilmenge (alle Frauen überleben) erzeugt. Trotzdem gewinnt "Alter < 10", weil hier die reine Teilmenge größer ist (4 statt 3 Datensätze) und die verbleibende Restmenge kleiner gewichtet wird. Immer den gewichteten Entropieverlust ausrechnen, nicht raten.
Aufgabe 3 - Validierung: Konfusionsmatrix und Gütemaße (16 P)
Bezug: EKI03
3.1 Konfusionsmatrix (4 P) Zeichnen Sie das Grundschema einer Konfusionsmatrix (2 Klassen) und tragen Sie TP, FP, FN, TN ein. Markieren Sie zusätzlich, welches Feld dem Type I Error und welches dem Type II Error entspricht.
3.2 Rechnung - Gütemaße (6 P) Ein Klassifikator zur Krankheitserkennung liefert auf dem Testdatensatz:
Berechnen Sie Treffergenauigkeit (Accuracy), Precision, Recall und F-Score. Geben Sie jeweils Formel und Rechenweg an.
3.3 Kurzantwort (2 P) Wann ist die Treffergenauigkeit als Maß irreführend, und welcher Score sollte dann verwendet werden?
3.4 Rechnung - Regression (4 P) Ein Regressionsmodell sagt für 4 Filme den Umsatz voraus. Berechnen Sie MAE, MSE und RMSE.
| Film | Vorhersage | Wahrer Wert |
|---|---|---|
| 1 | 10 | 12 |
| 2 | 12 | 12 |
| 3 | 15 | 18 |
| 4 | 20 | 16 |
Hinweis: .
Lösung Aufgabe 3
3.1 (4 P) Vorhersage in den Zeilen, tatsächlicher Zustand in den Spalten:
| tatsächlich krank | tatsächlich gesund | |
|---|---|---|
| Vorhersage: KRANK | TP (True Positive) | FP (False Positive) = Type I Error |
| Vorhersage: GESUND | FN (False Negative) = Type II Error | TN (True Negative) |
(2 P für korrekte TP/FP/FN/TN-Anordnung, 1 P Type I = FP, 1 P Type II = FN)
3.2 (6 P) Gesamtzahl der Vorhersagen: .
(je 1,5 P pro Maß)
3.3 (2 P) Die Treffergenauigkeit ist bei unausgewogenen (imbalanced) Datensätzen irreführend - ein Modell kann eine hohe Accuracy erreichen, obwohl es die seltene Klasse kaum erkennt. In diesem Fall sollte der F-Score verwendet werden (harmonisches Mittel aus Precision und Recall). (1 P + 1 P)
3.4 (4 P) Abweichungen : .
(1 P MAE, 1,5 P MSE, 1,5 P RMSE)
Tipp: Precision beantwortet "Wie viele meiner Positiv-Vorhersagen stimmen?", Recall "Wie viele echte Positive habe ich gefunden?". Bei der Krankheitserkennung ist ein hoher Recall oft wichtiger, weil ein übersehener Kranker (FN) schwerer wiegt als ein Fehlalarm (FP).
Aufgabe 4 - Wissensrepräsentation: RDF und SPARQL (16 P)
Bezug: EKI04
In allen Teilaufgaben gilt der Namespace PREFIX : <https://www.themoviedb.org/kaggle-export/>.
4.1 Kurzantwort (3 P) Aus welchen drei Teilen besteht ein RDF-Tripel? Was darf jeder Teil sein (Resource oder Wert)? Erklären Sie außerdem kurz die Bedeutung der Zeichen a, ; und . in Turtle.
4.2 RDF schreiben (5 P) Modellieren Sie den folgenden Satz als RDF-Tripel in Turtle-Notation:
"Inception ist ein Film mit dem Titel 'Inception', dem Erscheinungsdatum 2010, und gehört zum Genre Science Fiction."
Verwenden Sie die Resource :Movie_27 für den Film und :Genre_878 für das Genre sowie die Prädikate :title, :release_date, :genres und :name.
4.3 SPARQL lesen (4 P) Was liefert die folgende Query zurück? Wie viele Spalten hat das Ergebnis, und wodurch entsteht hier ein Join?
PREFIX : <https://www.themoviedb.org/kaggle-export/>
SELECT ?t ?n
WHERE {
?m a :Movie ;
:title ?t ;
:genres ?g .
?g :name ?n .
}
4.4 SPARQL schreiben (4 P) Schreiben Sie eine SPARQL-Query, die die Titel aller Filme des Genres "Drama" zurückgibt, und zwar ohne Duplikate.
Lösung Aufgabe 4
4.1 (3 P) Ein RDF-Tripel besteht aus Subjekt, Prädikat und Objekt (1 P). Subjekt und Prädikat sind jeweils eine Resource; das Objekt kann eine Resource oder ein Wert (String, int, float, date, ...) sein (1 P). Zeichen (1 P): a ist die Abkürzung für rdf:type und drückt die Instanz-Beziehung ("ist ein") aus; ; verkettet mehrere Prädikat-Objekt-Paare für dasselbe Subjekt; . beendet ein Tripel.
4.2 (5 P)
:Movie_27 a :Movie ;
:title "Inception" ;
:release_date "2010" ;
:genres :Genre_878 .
:Genre_878 a :Genre ;
:name "Science Fiction" .
Bewertung: a :Movie (1 P), :title "Inception" als String-Literal (1 P), :release_date "2010" (1 P), :genres :Genre_878 als Verweis auf eine Resource (1 P), Genre-Resource mit a :Genre und :name "Science Fiction" (1 P). Der Titel und der Genre-Name sind Werte (Literale), das Genre selbst ist eine Resource.
4.3 (4 P) Die Query liefert eine Tabelle mit 2 Spalten (?t = Filmtitel, ?n = Genre-Name) und einer Zeile pro passender Film-Genre-Zuweisung (2 P). Da Filme mehrere Genres haben können, erscheinen Titel ggf. mehrfach. Der Join entsteht dadurch, dass die Variable ?g an zwei Stellen benutzt wird (:genres ?g beim Film und ?g :name ?n beim Genre): dieselbe Variable erzwingt jeweils denselben Wert und verbindet so Film- und Genre-Tripel (2 P).
4.4 (4 P)
PREFIX : <https://www.themoviedb.org/kaggle-export/>
SELECT DISTINCT ?t
WHERE {
?m a :Movie ;
:title ?t ;
:genres ?g .
?g :name "Drama" .
}
Bewertung: korrektes Grundgerüst PREFIX/SELECT/WHERE (1 P), Muster mit ?m a :Movie und :title ?t (1 P), Einschränkung des Genres über den konkreten Wert :name "Drama" mit gejointer Variable ?g (1 P), DISTINCT zur Vermeidung von Duplikaten (1 P).
Tipp: "Bedingung" heißt in SPARQL: einen konkreten Wert statt einer Variablen ins Muster schreiben (
:name "Drama"). "Join" heißt: dieselbe Variable mehrfach verwenden. "Keine Duplikate" heißt:SELECT DISTINCT.
Aufgabe 5 - NLP: Bag-of-Words und tf-idf (14 P)
Bezug: EKI07
5.1 Bag-of-Words (4 P) Erklären Sie in einem Satz die Grundidee des Bag-of-Words-Modells (1 P). Erstellen Sie anschließend die Bag-of-Words-Repräsentation (Wort : Häufigkeit) für den folgenden Text (3 P):
"Der Film ist gut. Der Film ist spannend."
5.2 tf-idf (6 P) Ein Korpus besteht aus Dokumenten. Für ein bestimmtes Dokument sind die Worthäufigkeit (tf) und die Dokumenthäufigkeit (df) dreier Terme gegeben. Berechnen Sie jeweils und das Gewicht .
| Term | tf (in ) | df (im Korpus) |
|---|---|---|
| Film | 4 | 1000 |
| gut | 2 | 100 |
| Meisterwerk | 1 | 10 |
Welcher Term erhält trotz höchster Worthäufigkeit das Gewicht 0, und warum?
Hinweis: , , .
5.3 n-Gramm und NLP-Bereiche (4 P) (a) Erklären Sie das n-Gramm-Modell und geben Sie alle Bigramme (2-Gramme) des Satzes "der Film ist gut" an (2 P). (b) Nennen Sie zwei NLP-Bereiche außer der Textklassifikation, jeweils mit Eingabe -> Ausgabe (2 P).
Lösung Aufgabe 5
5.1 (4 P) Grundidee (1 P): Ein Text wird als Multi-Set (bag) von Worten mit ihren Häufigkeiten dargestellt - ohne Grammatik und ohne Wortreihenfolge.
Bag-of-Words (3 P), Groß-/Kleinschreibung und Satzzeichen ignoriert:
BoW = {"Der": 2, "Film": 2, "ist": 2, "gut": 1, "spannend": 1}
5.2 (6 P)
- Film: , also .
- gut: , also .
- Meisterwerk: , also .
(je 2 P pro Term) Der Term "Film" erhält das Gewicht 0, obwohl er am häufigsten vorkommt: Er steht in allen 1000 Dokumenten (), ist also nicht unterscheidungsstark - genau das ist die Idee von tf-idf, allgegenwärtige Füllwörter abzuwerten.
5.3 (4 P) (a) Das n-Gramm-Modell betrachtet Sequenzen aus N aufeinanderfolgenden Worten statt nur einzelner Worte; so wird ein Stück Wortreihenfolge/Kontext erfasst (kombinierbar mit tf-idf) (1 P). Bigramme von "der Film ist gut" (1 P): "der Film", "Film ist", "ist gut".
(b) Zwei Beispiele (je 1 P), z. B.:
- Information Retrieval: Text (Anfrage) -> relevante Dokumente.
- Maschinelles Übersetzen: Text in Sprache A -> Text in Sprache B.
- (auch gültig: Question Answering: Fragetext -> Antworttext; Information Extraction: Text -> Wissensgraph; Texterzeugung: Wissensgraph -> Text.)
Falle: Bei tf-idf zählt nicht nur, wie oft ein Wort im Dokument steht (tf), sondern auch, in wie vielen Dokumenten es überhaupt vorkommt (df). Ein sehr häufiges Wort mit bekommt idf = 0 und fällt komplett weg.
Aufgabe 6 - Ethische Aspekte der KI (6 P)
Bezug: EKI08
6.1 Wahr oder Falsch (3 P) Kreuzen Sie an (je 1 P).
| Nr. | Aussage | Wahr | Falsch |
|---|---|---|---|
| a | "Hype" wird im Foliensatz als Hyperbel (rhetorische Übertreibung) definiert. | ☐ | ☐ |
| b | Bias im maschinellen Lernen entsteht nur durch bewusste böse Absicht der Entwickler. | ☐ | ☐ |
| c | Autonome Waffen werden als "dritte Revolution der Kriegsführung" bezeichnet. | ☐ | ☐ |
6.2 Kurzantwort - Bias (3 P) Was bedeutet Bias im maschinellen Lernen (2 P)? Nennen Sie das in der Vorlesung besprochene Fallbeispiel (ProPublica) dazu (1 P).
Lösung Aufgabe 6
6.1 (3 P)
- a) Wahr - Hype = Hyperbel, illustriert an den Fehlprognosen von Minsky (1967/1970) und Kurzweil (2005).
- b) Falsch - Bias entsteht nicht durch böse Absicht, sondern durch verzerrte Trainingsdaten und Modellannahmen.
- c) Wahr - der offene Brief des Future of Life Institute nennt autonome Waffen die dritte Revolution der Kriegsführung (nach Schießpulver und Atomwaffen).
6.2 (3 P) Bias bedeutet, dass ML-Modelle aus historischen Daten lernen und dabei Vorurteile aus der Vergangenheit in die Zukunft projizieren (2 P). Fallbeispiel (1 P): die ProPublica-Recherche "Machine Bias" (2016) über die COMPAS-Software zur Vorhersage künftiger Straftäter, die schwarze Angeklagte benachteiligte (Beispielfälle Vernon Prater vs. Brisha Borden).
Tipp: Die Leitfrage des Ethik-Kapitels lautet "Wer soll entscheiden, Mensch oder Maschine?" - Beispiele für delegierte Entscheidungen mit gravierenden Folgen sind der Hochfrequenzhandel (Flash Crash) und autonome Waffen.
Aufgabe 7 - Gemischt: CEP, Computer Vision, Unsupervised Learning (8 P)
7.1 CEP (3 P) (a) Erklären Sie den zentralen Gegensatz zwischen DBMS und CEP bezüglich Daten und Query/Regel (2 P). (b) Nennen Sie die zwei Parameter eines Sliding ("Rolling") Window (1 P).
7.2 Computer Vision - Kostenfunktion (3 P) Ein Ausgabe-Layer mit drei Neuronen liefert die Ausgaben und Zielwerte unten. Berechnen Sie die Kostenfunktion .
| Neuron | ||
|---|---|---|
| 1 | 0,9 | 1 |
| 2 | 0,2 | 0 |
| 3 | 0,1 | 0 |
7.3 Unsupervised Learning - k-Means (2 P) Gegeben sind die 1D-Punkte und mit den initialen Zentren und . Führen Sie eine Iteration durch: Ordnen Sie die Punkte zu und berechnen Sie die neuen Zentren.
Lösung Aufgabe 7
7.1 (3 P) (a) Im DBMS sind die Daten persistent gespeichert und die Query wird volatil (einmalig) darüber ausgeführt - die Daten kommen zur Query. Bei CEP ist es umgekehrt: die Regel ist persistent (läuft dauerhaft mit), während die Daten als fliessender Ereignisstrom an ihr vorbeilaufen (2 P). (b) Die zwei Parameter sind n = Dauer (duration), die Länge des Fensters, und m = Häufigkeit (windowing frequency), der Schritt, um den das Fenster weiterrückt (1 P).
7.2 (3 P)
(1 P pro korrektem Summanden bzw. 3 P für das richtige Endergebnis mit Rechenweg)
7.3 (2 P) Zuordnung zum jeweils näheren Zentrum (, ):
- (Abstand 0 vs. 19), (2 vs. 17), (3 vs. 16)
- (19 vs. 0), (21 vs. 2)
- Cluster: , (1 P)
Neue Zentren (Mittelwert je Cluster) (1 P):
Tipp: Der DBMS-vs-CEP-Gegensatz ("persistente Daten + volatile Query" gegen "persistente Regel + fliessender Strom") ist ein Klassiker - präzise die Umkehrung merken.
Punkteschlüssel
| Punkte | Note |
|---|---|
| 90 - 86 | 1,0 |
| 85 - 81 | 1,3 |
| 80 - 76 | 1,7 |
| 75 - 71 | 2,0 |
| 70 - 66 | 2,3 |
| 65 - 61 | 2,7 |
| 60 - 56 | 3,0 |
| 55 - 51 | 3,3 |
| 50 - 46 | 3,7 |
| 45 - 41 | 4,0 |
| 40 - 0 | 5,0 (nicht bestanden) |
Summe der Aufgaben: 12 + 18 + 16 + 16 + 14 + 6 + 8 = 90 Punkte.