Übungen: Gemischte Wiederholung

Kapiteluebergreifende Aufgaben ueber alle neun Themenbloecke (EKI00-EKI09). Sie kombinieren und kontrastieren Verfahren - Supervised vs. Unsupervised, symbolische vs. nicht-symbolische KI, Klassifikations- vs. Regressionsmetriken - und ueben "welches Verfahren fuer welche Aufgabe". Alles stuetzt sich ausschliesslich auf die Kapitelinhalte.

Beginner

Aufgabe 1 (Beginner) - Supervised, Unsupervised oder Reinforcement?

Ordnen Sie jede Aufgabe der richtigen ML-Kategorie und dem richtigen Aufgabentyp zu.

a) Spam-Filter (E-Mail als Spam / kein Spam) b) Kundensegmentierung aus Alter und Einkommen c) Vorhersage des weltweiten Box-Office-Umsatzes eines Films d) Dimensionsreduktion von 365-dimensionalen Temperaturkurven

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FallKategorieAufgabe
a) Spam-FilterSupervised LearningKlassifikation (Kategorie vorhersagen)
b) KundensegmentierungUnsupervised LearningClustering
c) Box-Office-UmsatzSupervised LearningRegression (numerischer Wert)
d) Temperaturkurven reduzierenUnsupervised LearningDimensionsreduktion

Kernunterschied: Supervised Learning braucht Labels ("richtige Antwort"), Unsupervised Learning findet Struktur ohne Labels. Klassifikation sagt eine Kategorie, Regression einen numerischen Wert voraus.

Tipp: Die Frage "Gibt es ein Label, auf das ich trainiere?" trennt Supervised von Unsupervised sicher.

Siehe EKI02, EKI03 und EKI09.

Aufgabe 2 (Beginner) - KI-Landkarte: symbolisch vs. nicht-symbolisch

Die KI-Landkarte (nach B. Humm) teilt Verfahren in Non-symbolic AI / Machine Learning und Symbolic AI / Knowledge-based AI. Ordnen Sie zu: Computer Vision, Wissensrepraesentation, NLP, Complex Event Processing, k-Means.

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Bereich (Faehigkeit)ThemaParadigma
PerceivingComputer VisionNon-symbolic AI / Machine Learning
KnowingWissensrepraesentationSymbolic AI / Knowledge-based AI
CommunicatingNLPSchnittstelle, stark Machine-Learning-getrieben
ReasoningComplex Event ProcessingSymbolic AI / Knowledge-based AI
Learningk-MeansNon-symbolic AI / Machine Learning

Die Landkarte hat zwei Achsen: Acquiring intelligence (unten, z. B. Learning, Knowing) und Applying intelligence (oben, z. B. Perceiving, Communicating, Reasoning, Acting).

Falle: CEP wirkt "datengetrieben", gehoert aber laut Landkarte zum Reasoning der symbolischen KI (neben Logic programming und Probabilistic reasoning).

Siehe EKI00, EKI04, EKI05, EKI06 und EKI07.

Aufgabe 3 (Beginner) - Geschichte und Hype-Zyklus

Welche Aussage ist korrekt?

a) Der Begriff "Artificial Intelligence" entstand beim Dartmouth-Workshop 1956. b) Der KI-Winter entspricht im Gartner Hype-Zyklus dem "Plateau of Productivity". c) Der Turing-Test wurde beim Dartmouth-Workshop erfunden. d) "Hype" bezeichnet eine untertreibende Aussage (Litotes).

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Richtig ist a).

  • a) Korrekt: Der Dartmouth-Workshop 1956 (Teilnehmer u. a. McCarthy, Minsky, Shannon, Newell, Simon) praegte den Begriff "Artificial Intelligence".
  • b) Falsch: Der KI-Winter entspricht dem "Trough of Disillusionment" (Tal der Ernuechterung), nicht dem Plateau of Productivity.
  • c) Falsch: Der Turing-Test geht auf Alan Turing zurueck (Berechenbarkeit, Turing-Test), nicht auf Dartmouth.
  • d) Falsch: Hype ist eine Hyperbel (Uebertreibung), keine Untertreibung. Historische Fehlprognosen: Minsky (1967/1970), Kurzweil (2005).

Die fuenf Phasen des Gartner Hype-Zyklus: Technology Trigger, Peak of Inflated Expectations, Trough of Disillusionment, Slope of Enlightenment, Plateau of Productivity.

Siehe EKI00 und EKI08.

Aufgabe 4 (Beginner) - Welches Verfahren fuer welche Aufgabe?

Ordnen Sie jeder Aufgabe das im Kurs passende Verfahren/Werkzeug zu.

Aufgaben: (1) Ziffer in Bild erkennen, (2) Filmgenre aus Overview-Text vorhersagen, (3) Titel aller Filme abfragen, (4) Kunden in Segmente gruppieren, (5) Box-Office-Umsatz vorhersagen. Verfahren: CNN (Keras), SPARQL-Query, k-Means, Bag-of-Words + MultinomialNB, SVR.

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AufgabeVerfahren / WerkzeugKapitel
Ziffer in Bild erkennen (OCR)CNN mit Keras/TensorFlowComputer Vision
Filmgenre aus Text vorhersagenBag-of-Words + tf-idf + MultinomialNBNLP
Titel aller Filme abfragenSPARQL-Query ueber den RDF-WissensgraphenWissensrepraesentation
Kunden in Segmente gruppierenk-Means (Clustering)Unsupervised Learning
Box-Office-Umsatz vorhersagenSVR (Support Vector Regression)Regression

Tipp: Die Leitfrage ist immer "Was ist die Ausgabe?": Kategorie -> Klassifikation, Zahl -> Regression, Gruppen ohne Label -> Clustering, strukturierte Fakten abfragen -> SPARQL, Pixel -> CNN, Rohtext -> NLP-Pipeline.

Siehe EKI02, EKI03, EKI04, EKI06, EKI07 und EKI09.

Fortgeschritten

Aufgabe 5 (Fortgeschritten) - Klassifikationsmetriken rechnen

Ein Tumor-Klassifikator (positiv = boesartig) liefert auf 100 Faellen:

TP=1,FP=1,FN=8,TN=90\text{TP}=1, \quad \text{FP}=1, \quad \text{FN}=8, \quad \text{TN}=90

Berechnen Sie Accuracy, Precision, Recall und F-Score. Warum ist die Accuracy hier irrefuehrend?

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Accuracy:

TP+TNTP+TN+FP+FN=1+90100=0,91\frac{TP + TN}{TP + TN + FP + FN} = \frac{1 + 90}{100} = 0{,}91

Precision:

TPTP+FP=11+1=0,5\frac{TP}{TP + FP} = \frac{1}{1 + 1} = 0{,}5

Recall:

TPTP+FN=11+8=190,111\frac{TP}{TP + FN} = \frac{1}{1 + 8} = \frac{1}{9} \approx 0{,}111

F-Score (harmonisches Mittel):

F=2precisionrecallprecision+recall=20,50,1110,5+0,1110,181F = 2 \cdot \frac{\text{precision} \cdot \text{recall}}{\text{precision} + \text{recall}} = 2 \cdot \frac{0{,}5 \cdot 0{,}111}{0{,}5 + 0{,}111} \approx 0{,}181

Warum Accuracy irrefuehrend ist: Der Datensatz ist stark unausgewogen (nur 9 tatsaechlich Kranke von 100). Die Accuracy von 0,91 wirkt gut, doch 8 von 9 Kranken werden uebersehen (Recall nur 0,111). Der niedrige F-Score (0,18) spiegelt die schlechte Qualitaet realistischer wider. Bei unausgewogenen Datensaetzen verwendet man daher den F-Score statt der Accuracy.

Falle: FP = Type I Error (faelschlich krank), FN = Type II Error (faelschlich gesund). In der Konfusionsmatrix stehen Vorhersagen in den Zeilen, der tatsaechliche Zustand in den Spalten.

Siehe EKI03.

Aufgabe 6 (Fortgeschritten) - Entropie und Entropieverlust

a) Berechnen Sie die Entropie einer Menge mit 3 Elementen der Klasse A und 7 der Klasse B (10 gesamt). b) Ein Split teilt eine Menge TT mit H(T)=0,992H(T) = 0{,}992 (20 Elemente) in TlowerT_{lower} (14 Elemente, H=0,94H = 0{,}94) und TupperT_{upper} (6 Elemente, H=0H = 0). Berechnen Sie den Entropieverlust.

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a) Entropie mit H(M)=icilog2(ci)H(M) = \sum_i -c_i \log_2(c_i) und den Anteilen c1=3/10c_1 = 3/10, c2=7/10c_2 = 7/10:

H=310log2 ⁣(310)710log2 ⁣(710)=0,881H = -\tfrac{3}{10}\log_2\!\left(\tfrac{3}{10}\right) - \tfrac{7}{10}\log_2\!\left(\tfrac{7}{10}\right) = 0{,}881

Die Entropie ist maximal (1) bei 50/50 und null bei reiner Klasse - hier liegt sie mit 0,881 dazwischen.

b) Entropieverlust (Information Gain):

Gewinn=H(T)TlowerTH(Tlower)TupperTH(Tupper)\text{Gewinn} = H(T) - \frac{|T_{lower}|}{|T|} H(T_{lower}) - \frac{|T_{upper}|}{|T|} H(T_{upper}) =0,99214200,946200=0,9920,658=0,334= 0{,}992 - \frac{14}{20}\cdot 0{,}94 - \frac{6}{20}\cdot 0 = 0{,}992 - 0{,}658 = 0{,}334

Beim Aufbau eines Entscheidungsbaums waehlt man an jedem Knoten das Feature/Wert-Paar mit dem groessten Entropieverlust. Der Zweig TupperT_{upper} mit H=0H = 0 ist rein und wird zum Blatt; TlowerT_{lower} wird rekursiv weiter aufgeteilt.

Tipp: Ein reiner Teilbaum (H=0H = 0) traegt mit seinem Term nichts zum Abzug bei - deshalb sind Splits, die eine Klasse "sauber" abspalten, besonders wertvoll.

Siehe EKI02.

Aufgabe 7 (Fortgeschritten) - Bag-of-Words und tf-idf

a) Erstellen Sie den Bag-of-Words fuer: "John likes to watch movies. Mary likes movies too." b) Ein Korpus hat N=100N = 100 Dokumente. Berechnen Sie die idf fuer das Wort "the" (df=100df = 100) und fuer "cryptography" (df=5df = 5). Was folgt daraus?

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a) Bag-of-Words (Multi-Set aus Woertern mit Haeufigkeiten, ohne Grammatik/Reihenfolge):

BoW = {"John":1, "likes":2, "to":1, "watch":1, "movies":2, "Mary":1, "too":1}

b) idf mit idf(t,D)=logNdf\text{idf}(t, D) = \log \frac{N}{df}:

idf("the")=log100100=log1=0\text{idf}(\text{"the"}) = \log\frac{100}{100} = \log 1 = 0 idf("cryptography")=log1005=log201,3\text{idf}(\text{"cryptography"}) = \log\frac{100}{5} = \log 20 \approx 1{,}3

Folgerung: "the" kommt in allen Dokumenten vor (hohe df) und erhaelt Gewicht 0 - egal wie oft es im Text steht, es traegt nichts zur Unterscheidung bei. "cryptography" ist selten und damit unterscheidungsstark, es wird aufgewertet. Das Gesamtgewicht ist tfidf=tfidf\text{tfidf} = \text{tf} \cdot \text{idf}.

Tipp: tf-idf loest genau das Problem des reinen BoW, dass haeufige Fuellwoerter die Feature-Vektoren dominieren.

Siehe EKI07.

Aufgabe 8 (Fortgeschritten) - CEP und Sliding Window

a) Erklaeren Sie die zwei Parameter eines Sliding Window. b) Berechnen Sie die rollende Summe von pd.Series([10, 20, 30, 40]) mit window=2. c) Die 7-Tage-Inzidenz betraegt 250. Bestimmen Sie die Kritikalitaet mit der Beispieldefinition.

crit(7inc) = 4 if 7inc>400 ; 3 if 7inc>200 ; 2 if 7inc>100 ; 1 if 7inc>50 ; 0 sonst
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a) Parameter des Sliding ("Rolling") Window:

  • n: Dauer (duration) - die Laenge/Breite des Fensters.
  • m: Haeufigkeit (windowing frequency) - um welchen Schritt das Fenster weiterrueckt.

Das Fenster betrachtet immer nur den juengsten Ausschnitt des Ereignisstroms und wandert mit fortschreitender Zeit weiter.

b) Rollende Summe (window=2, jeweils aktuelle + vorherige Beobachtung; die erste Position hat keinen Vorgaenger -> NaN):

0    NaN
1    30.0   (10+20)
2    50.0   (20+30)
3    70.0   (30+40)

c) Kritikalitaet: 7inc=2507\text{inc} = 250. Es gilt 250>200250 > 200, aber nicht >400> 400, also crit = 3.

Dies ist ein Beispiel fuer iteratives CEP: Aus dem low-level Ereignis (7-Tage-Inzidenz) wird ein high-level Ereignis (Kritikalitaet) abgeleitet, das als Grundlage fuer Massnahmen dient.

Falle: Der 7-Tage-Kritikalitaets-Score verwendet laut Folie das Minimum ueber die letzten 7 Tage (nicht das Maximum) - eine glaettende, vorsichtige Bewertung, und ausdruecklich nur eine Beispieldefinition.

Siehe EKI05.

Anspruchsvoll

Aufgabe 9 (Anspruchsvoll) - Klassifikations- vs. Regressionsmetriken

a) Welche Metriken gehoeren zur Validierung der Klassifikation, welche zur Regression? b) Ein Regressionsmodell liefert fuer n=3n=3 die Vorhersagen f^=(2,4,6)\hat{f} = (2, 4, 6) bei wahren Werten y=(3,4,8)y = (3, 4, 8). Berechnen Sie MAE, MSE und RMSE. c) Warum kann man auf ein Regressionsproblem keine Konfusionsmatrix anwenden?

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a) Zuordnung:

KlassifikationRegression
Konfusionsmatrix, Accuracy, Precision, Recall, F-ScoreMAE, MSE, RMSE

b) Regressionsmasse. Abweichungen f^iyi\hat{f}_i - y_i: 1,0,2-1, 0, -2.

MAE=1+0+23=33=1,0MAE = \frac{|-1| + |0| + |-2|}{3} = \frac{3}{3} = 1{,}0 MSE=(1)2+02+(2)23=1+0+43=531,667MSE = \frac{(-1)^2 + 0^2 + (-2)^2}{3} = \frac{1 + 0 + 4}{3} = \frac{5}{3} \approx 1{,}667 RMSE=1,6671,29RMSE = \sqrt{1{,}667} \approx 1{,}29

MSE bestraft grosse Fehler staerker (Quadrat); RMSE hat die gleiche Einheit wie die Zielgroesse.

c) Eine Konfusionsmatrix zaehlt korrekte/falsche Zuordnungen zu diskreten Klassen (TP/FP/FN/TN). Regression sagt einen kontinuierlichen numerischen Wert voraus - es gibt kein "richtig/falsch", sondern nur einen Abstand zwischen Vorhersage und Wahrheit. Deshalb misst man dort den Fehler ueber MAE/MSE/RMSE.

Tipp: In scikit-learn ist der Default von cross_val_score die Accuracy (k=5); fuer Regression setzt man scoring='neg_root_mean_squared_error'.

Siehe EKI02 und EKI03.

Aufgabe 10 (Anspruchsvoll) - CNN: Faltung und Pooling

a) Berechnen Sie den Wert der oberen linken Position der feature map fuer die Faltung des 5x5-Bildes mit dem 3x3-Filter. b) Fuehren Sie 2x2-Max-Pooling auf der gegebenen 4x4-Eingabe durch.

Bild (5x5)        Filter (3x3)
1 0 0 1 0         1 0 0
0 1 1 0 1         0 1 1
1 0 1 0 1         1 0 1
1 0 0 1 0
0 1 1 0 1

Pooling-Eingabe (4x4)
5 1 3 6
2 3 2 2
2 2 4 2
5 1 3 1
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a) Faltung, obere linke Position. Filter auf den 3x3-Ausschnitt oben links legen, elementweise multiplizieren, aufsummieren:

(11)+(00)+(00)+  (00)+(11)+(11)+  (11)+(00)+(11)=5\begin{aligned} &(1\cdot1)+(0\cdot0)+(0\cdot0) \\ +\;&(0\cdot0)+(1\cdot1)+(1\cdot1) \\ +\;&(1\cdot1)+(0\cdot0)+(1\cdot1) = 5 \end{aligned}

Aus dem 5x5-Bild entsteht mit dem 3x3-Filter eine 3x3 feature map (Ausgabegroesse O=NF+1=53+1=3O = N - F + 1 = 5 - 3 + 1 = 3). Die Faltung verkleinert das Bild, ohne die Beziehung zwischen benachbarten Pixeln zu verlieren.

b) 2x2-Max-Pooling (Maximum je 2x2-Block):

max(5,1,2,3) = 5    max(3,6,2,2) = 6
max(2,2,5,1) = 5    max(4,2,3,1) = 4

Ergebnis (2x2):

5 6
5 4

Pooling reduziert Aufloesung/Komplexitaet. Am Ende wandeln Fully Connected Layers die Merkmale in eine Klassenzuordnung um (Ausgabeneuronen = Anzahl Klassen).

Tipp: Merke die CNN-Pipeline: Input (Pixel, low level) -> Convolution + Pooling (Features, medium level) -> Fully Connected -> Output (Klassen, high level).

Siehe EKI06.

Aufgabe 11 (Anspruchsvoll) - Szenario: Filmplattform (ML + Wissensrepraesentation + CV + NLP)

Eine Streaming-Plattform will vier Features bauen. Nennen Sie fuer jedes das passende KI-Teilgebiet und ein konkretes Verfahren aus dem Kurs:

a) Aus der Handlungsbeschreibung (Overview) das Genre bestimmen. b) Strukturierte Fakten abfragen ("Alle Filme des Regisseurs X"). c) Aus Filmpostern automatisch Text (Titel) auslesen. d) Den erwarteten Umsatz eines neuen Films schaetzen.

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FeatureTeilgebietVerfahren
a) Genre aus TextNLP (Textklassifikation)Pipeline CountVectorizer -> TfidfTransformer -> MultinomialNB
b) Strukturierte Fakten abfragenWissensrepraesentationRDF-Wissensgraph + SPARQL-Query
c) Text aus Poster auslesenComputer Vision (OCR)CNN mit Keras/TensorFlow
d) Umsatz schaetzenRegression (Supervised ML)SVR (o. a. Ridge/Lasso/Ensemble)

Das Szenario zeigt die Arbeitsteilung: symbolische KI (Wissensgraph/SPARQL) fuer explizite, exakte Fakten; nicht-symbolische KI (ML/CNN/NLP) fuer das Lernen aus Beispieldaten. Beide Ansaetze koennen dieselbe Domaene (TMDB-Filme) abdecken.

Tipp: Fuer b) waere ein ML-Modell unnoetig - liegen die Fakten als Wissensgraph vor, ist eine praezise SPARQL-Query treffsicherer als eine gelernte Vorhersage.

Siehe EKI03, EKI04, EKI06 und EKI07.

Klausur-Niveau

Aufgabe 12 (Klausur-Niveau) - Betrugserkennung aus mehreren Blickwinkeln

Ein Zahlungsdienstleister will Kreditkartenbetrug erkennen.

a) Wie loest man das mit CEP, wie mit Supervised ML? Worin liegt der prinzipielle Unterschied (DBMS-Denke vs. CEP)? b) Wie koennte Unsupervised Learning hier ergaenzen? c) Welches ethische Risiko besteht, wenn ein ML-Modell auf historischen Daten trainiert wird?

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a) CEP vs. Supervised ML:

  • CEP: Ein fliessender Strom von Transaktionen laeuft an einer persistenten Regel vorbei, die z. B. auf "ungewoehnlich hohe Transaktionen in kurzer Zeit" prueft (Sliding Window) und eine Betrugswarnung ausgibt.
  • Supervised ML: Ein Klassifikator wird auf gelabelten Transaktionen (Betrug / kein Betrug) trainiert und ordnet neue Faelle einer der zwei Klassen zu (binaere Klassifikation, wie Spam/Fraud-Detection).
  • Unterschied: Beim DBMS sind die Daten persistent und die Query volatil (einmalig). Bei CEP ist es umgekehrt: die Regel ist persistent und laeuft dauerhaft mit, waehrend die Daten als Ereignisstrom vorbeifliessen.

b) Unsupervised Learning: Da neue Betrugsmuster oft kein Label haben, hilft Ausreissererkennung (anomaly / outlier detection) - z. B. ueber einen Autoencoder: schlecht rekonstruierbare Transaktionen sind verdaechtig. Auch Clustering kann ungewoehnliche Gruppen sichtbar machen.

c) Ethisches Risiko - Bias. ML-Modelle lernen aus historischen Daten und projizieren Vorurteile der Vergangenheit in die Zukunft. Verzerrte Trainingsdaten koennen bestimmte Personengruppen systematisch benachteiligen (vgl. ProPublica "Machine Bias" / COMPAS). Bias entsteht nicht durch boese Absicht, sondern durch verzerrte Daten und Modellannahmen.

Tipp: Der Umkehr-Gegensatz "persistente Daten + volatile Query (DBMS)" gegen "persistente Regel + fliessender Strom (CEP)" ist ein klassischer Pruefungspunkt.

Siehe EKI02, EKI05, EKI08 und EKI09.

Aufgabe 13 (Klausur-Niveau) - Von Text zu RDF zu SPARQL

Gegeben der Satz: "A Beautiful Mind is a movie which belongs to the genre drama."

a) Welche NLP-Aufgabe wandelt diesen Satz in einen Wissensgraphen um? b) Schreiben Sie die RDF-Tripel in Turtle-Notation (Movie_453, Genre_18). c) Schreiben Sie eine SPARQL-Query, die den Titel aller Filme des Genres "Drama" liefert.

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a) Das ist Information Extraction (IE) aus dem NLP: Verstehen von Text und Aufbau eines Wissensgraphen (Text -> Wissensgraph).

b) RDF-Tripel (Turtle). Ein Tripel ist Subjekt - Praedikat - Objekt; a = rdf:type, ; verkettet Tripel fuer dasselbe Subjekt, . beendet:

:Movie_453 a :Movie ;
        :title "A Beautiful Mind" ;
        :genres :Genre_18 .
:Genre_18 a :Genre ;
        :name "Drama" .

c) SPARQL-Query. Die mehrfach genutzte Variable ?g wirkt als Join zwischen Film- und Genre-Tripeln:

PREFIX : <https://www.themoviedb.org/kaggle-export/>
SELECT ?t
WHERE {
  ?m a :Movie ;
     :title ?t ;
     :genres ?g .
  ?g :name "Drama" .
}

Das Ergebnis ist eine Tabelle mit einer Spalte (?t) und einer Zeile pro passendem Film. Mit DISTINCT liessen sich Duplikate vermeiden.

Tipp: Ein Join in SPARQL entsteht dadurch, dass dieselbe Variable (?g) an mehreren Stellen steht und dort jedesmal denselben Wert erzwingt.

Siehe EKI04 und EKI07.

Aufgabe 14 (Klausur-Niveau) - Bias, Fairness und maschinelle Entscheidungen

a) Erklaeren Sie am COMPAS-Beispiel (Prater vs. Borden), was "Bias im ML" bedeutet. b) Warum reicht eine hohe Accuracy nicht aus, um ein solches System als "fair" zu bewerten? c) Ordnen Sie Hochfrequenzhandel und autonome Waffen in die Leitfrage "Wer soll entscheiden, Mensch oder Maschine?" ein.

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a) Bias im ML. ML-Modelle lernen aus historischen Daten und projizieren Vorurteile der Vergangenheit in die Zukunft. Im ProPublica-Beispiel erhielt Brisha Borden (schwarz) einen hohen Risiko-Score (8), obwohl sie nicht rueckfaellig wurde, waehrend Vernon Prater (weiss) einen niedrigen Score (3) bekam. Der Algorithmus schrieb also trotz gegenteiliger tatsaechlicher Entwicklung eine hoehere Gefaehrlichkeit zu - Folge verzerrter Trainingsdaten und Modellannahmen, nicht boeser Absicht.

b) Accuracy reicht nicht. Eine hohe Gesamt-Accuracy kann eine ungleiche Fehlerverteilung zwischen Gruppen verdecken - genau wie im Tumorbeispiel eine Accuracy von 0,91 die 8 von 9 uebersehenen Kranken verbarg. Man muss die Fehlerarten getrennt betrachten (Konfusionsmatrix: FP/FN, Precision/Recall). Bei unausgewogenen Daten ist der F-Score aussagekraeftiger. Fuer Fairness zaehlt zusaetzlich, ob z. B. False-Positive-Raten zwischen Gruppen auseinanderlaufen.

c) Wer entscheidet?

  • Hochfrequenzhandel (HFT): Algorithmen treffen Kauf/Verkauf-Entscheidungen in Sekundenbruchteilen ohne Mensch; der Flash Crash zeigt, wie automatisierte Fehlentscheidungen zu abrupten Marktverwerfungen fuehren.
  • Autonome Waffen: waehlen Ziele ohne menschliches Eingreifen aus ("select and engage targets") - vom Future of Life Institute als "dritte Revolution der Kriegsfuehrung" bezeichnet.

Beide bilden das Spannungsfeld ab: Maschinen entscheiden schneller und moeglicherweise konsistenter, doch bei Fehlern oder delegierter Gewalt sind die Konsequenzen gravierend und die Verantwortung unklar.

Falle: "Bessere Entscheidungen" und "Fehlentscheidungen" sind zwei Seiten derselben Medaille - der Foliensatz gibt bewusst keine fertige Antwort, sondern einen Diskussionsimpuls.

Siehe EKI03 und EKI08.